Das Ding mit der Box ....

Es gibt viele Themen, die in der Hundewelt kontrovers diskutiert werden - eins davon ist der Einsatz einer Hundebox.

Was für den einen Hundebesitzer ein sinnvolles Hilfsmittel ist, um seinen Hund zur Ruhe kommen zu lassen, ist für den anderen ein "Hundeknast" und grenzt an Tierquälerei.

Was ist die Box nun? Ruhezone oder Foltergerät?

Ich würde sagen, sie hat Potential für beides - es kommt nämlich meiner Meinung nach auf die Art und Weise des Einsatzes UND vor allem auf das Verhältnis, was der Hund zur Box hat, an.

Ein Beispiel?
Hummelchen, mein erster Hund von Welpe an hat Boxen GEHASST! Ein gutes Verhältnis zu einer Box habe ich ihr durch meine damalige Unwissenheit nachhaltig versaut - traurig aber wahr.
Ihre erste Bekanntschaft mit der Box war die Fahrt vom Züchter zu uns. Beim Züchter hatte sie so etwas nicht kennen gelernt und so kamen viele Faktoren zusammen: Trennung von Mama & Geschwistern, eine Box, die auf  Hummels Endgröße ausgerichtet gekauft und darum viel zu überdimensioniert für einen Welpen war und die Tatsache, dass sie sich nicht lösen konnte, bevor wir losfuhren. Es folgte eine Stunde  Fahrt mit einem weinenden Welpen im Kofferraum - unterbrochen von einer Pipipause, die sie aber gestresst wie sie war nicht genutzt hat und "gewürzt" mit einer Vollbremsung, bei der sie ordentlich durch die Box geschleudert wurde. Das Ende vom Lied waren ein Haufen und ein See in der Box und ein völlig gestresster Hund, dem Boxen von da an mehr als suspekt waren.
Um in der Reihe von Fehlern noch einen oben drauf zu setzen, habe ich mich nicht an die Fütterungsempfehlung gehalten und ihr mehr Futter gegeben als empfohlen und dann abends den Rat der Züchterin umgesetzt und sie für die Nacht in die Box im EG gesperrt, während wir oben im Schlafzimmer versucht haben zu schlafen … denn natürlich hat sie ihren Unmut lautstark kund getan und sich dann auch noch vor lauter Stress und zuviel Futter übergeben müssen.

 

Ich habe danach monatelang versucht, die Box, wie auch das Autofahren positiv zu besetzen. Habe mit Futter und Pheromonen gearbeitet … erreicht habe ich nur das Minimum: Die Akzeptanz der Box als notwendiges Übel z.B. beim Autofahren. Freiwillig hat sie sich ihr ganzes Leben nicht mehr in etwas Höhlenartiges gelegt.
Hummel hätte die Ansicht, die Box sei eine Art Folterinstrument, sicher aus voller Überzeugung unterschrieben!

Aber alles hat mindestens zwei Seiten und zwischen Schwarz und Weiß liegen viele Abstufungen von grau…

Die Kehrseite der Medaille lebt aktuell bei mir, heißt Enya und ist ein Höhlenhund: egal wo wir sind und wem die Box eigentlich gehört - suche ich meinen Hund, finde ich ihn garantiert in so einer Ersatzhöhle.. Enya kannte  bei ihrem Einzug offene Boxen schon aus ihrer Zeit beim Züchter und wurde auch dort schon in Gesellschaft von Mama & Geschwistern ausführlich ans Autofahren gewöhnt. Fünf Stunden Autofahrt zu uns, kein Problem. Die Box stand auf der Rückbank mit Blickkontakt zu mir, der Hund hatte vorher ausreichend Gelegenheit zum Lösen und hat den  größten Teil der Autofahrt verschlafen.
Die ersten  Nächte zu Hause, waren wir - wegen der mit Hummel gemachten schlechten Erfahrungen - ohne Box zusammen im Wohnzimmer.

Resultat: durchgeknabberte Lautsprecherdrähte und jede Nacht mindestens eine Pfütze - trotz Wecker und alle zwei Stunden raus gehen. Da hätte ich mir dann doch wieder eine Box vorstellen können ….

 

Die Box habe ich tagsüber für zB das Autofahren weiterhin positiv besetzt. Enya wurde darin gefüttert, bekam dort Leckerlis und Knabberkram - immer bei geöffneter Tür.
Die Box stand jederzeit offen im Flur und wurde von Enya gern als Schlafplatz und Rückzugsort genutzt. Gerade als meine kleine Tochter anfing ihren Bewegungsdrang auszuleben, war die Box Enyas Schutzhöhle. Und diese positive Belegung ist auch nach fast 8 Jahren bis heute ungebrochen.

Zwei Hunde … zwei unterschiedliche Boxengeschichten …  und trotz Hummels Vorbehalten gegenüber einer Box (die ja eigentlich eine Folge meiner damaligen Dummheit waren) bin ich immer noch der Meinung, dass diese ein wichtiges Hilfsmittel im Hundetraining ist - kein Allheilmittel und schon gar keine Allzweckwaffe, die der Faulheit des Menschen in die Karten spielen soll, aber sinnvoll eingesetzt und positiv beim Hund verankert durchaus eine Bereicherung  im Zusammenleben von Hund und Mensch.

Warum braucht der Hund eine Box?

Es gibt einige Situationen in einem Hundeleben, in denen die stressfreie Akzeptanz einer Box für mich unglaublich wichtig ist

 

 

Stationäre Aufnahme des Hundes beim Tierarzt/ in der Tierklinik

Wenn ein Hund wegen einer Krankheit beim Tierarzt bleiben muss, hat er schon genügend mit evtl. Schmerzen und der Trennung von seinen Menschen zu tun. Kennt er keine Box, käme dieser Stress noch oben drauf und begünstigt den Heilungsweg nicht wirklich.

Auto fahren

Eine Box ist für mich das Mittel der Wahl, um einen Hund im Auto zu transportieren, sei es auf der Rückbank oder im Kofferraum.


Crashtest mit Hundeboxen von Spiegel.de


In der für den Vierbeiner optimalen Größe bietet sie am Meisten Schutz und Sicherheit bei einem Unfall. Hunde die mit einem Geschirr gesichert auf der Rückbank sitzen, bedrohen in einem solchen Ernstfall zwar nicht Leib und Leben der Menschen im Auto, gehen aber oft auch mit schweren Verletzungen aus Unfällen hervor.
Eine Box lässt den Hund beim Aufprall nicht zum Geschoss werden und wenn sie nicht zu groß ist, trägt er auch weniger Verletzungen davon.

Ruhezone in einer bekannten oder fremden Umgebung

Je nach Hundecharakter hilft eine Box Außenreize abzuschirmen und einen vertrauten Ruheplatz zu markieren. Der Hund hat eine wirkliche Rückzugsmöglichkeit, die durch eine Decke allein nicht geschaffen werden kann. Er kann sich entspannen und die für Hunde so wichtigen Ruhephasen wirklich bekommen und nutzen.

Gerade bei Welpen und jungen Hunden, die man manchmal wirklich zu ihrem Ruheglück überreden muss kann eine Box Wunder wirken.

Was eine Box für mich NICHT ist!

Auf keinen Fall sollte eine Box nur als "Verwahrungsort" für den Hund dienen, damit Mensch sich nicht mit seinen Problemen und Ängsten herumschlagen muss und seine Ruhe hat!

Die positive Wirkung einer Box hängt von mehreren Faktoren ab

Nur im Zusammenspiel aller Faktoren entscheidet sich, ob für Dich und Deinen Hund die Box zu einer bereichernden Erfahrung werden kann.

Deine Einstellung zur Box

Wenn Du von der guten Wirkung einer Box auf Deinen Hund nicht überzeugt bist, lass die Finger davon!
Wie alles, was man nur halbherzig tut, wirst Du damit keinen Erfolg haben und Deinen, vielleicht sogar skeptischen, Hund nicht davon überzeugen können - weil er Dir nicht glaubt und Deine inneren Vorbehalte bemerkt.
Ein sinnvolles Training braucht eine Vertrauensbasis zwischen Mensch und Hund - das ist nicht nur bei Boxen so.

Der Charakter Deines Hundes

Es gibt Hunde, die die Ersatzhöhle von Anfang an super finden, sich sofort hineinlegen, alles an Spielzeug und Kaukram dort hineinschleppen und denen der Moment des Türschließens so gar nichts ausmacht.

Meistens haben sie Boxen schon in der Welpenzeit kennen gelernt und als Kuschelhöhle zusammen mit ihren Geschwistern benutzt. Oder sie sind einfach grundpositiv eingestellt und laufen immer mit Sonne im Herzen und einem guten Selbstvertrauen durch die Gegend.

Du hast so einen Hund? Ein Glückspilz Du bist!
Denn leider gibt es unter den Hunden  auch die Skeptiker oder auch die Angsthasen, die erstmal Abstand halten und dieses schwarze Loch zumindest für gruselig, wenn nicht sogar für absolut furchterregend halten. Sinnigerweise gehören zu dieser Gruppe häufig auch die ängstlichen/ unsicheren Hunde, denen so ein Schutzraum wirklich gut tun würde. Ihnen das Projekt "Ersatzhöhle" schmackhaft zu machen, braucht Geduld und nochmals Geduld.

Sich ZEIT nehmen STATT HAURUCK und TÜR ZU

Hunde lernen am Besten über positives Erleben und dessen häufige Wiederholungen. Darum solltest Du für ein vernünftiges Boxentraining auf jeden Fall genug Zeit einplanen.

Das Tempo bestimmt Dein Hund, nicht die Umstände oder gar Zeitdruck.
Nur dann kann eine Box von Deinem Hund langfristig positiv abgespeichert und zu einem Mehrwert für sein Leben werden.

Zeitnot durch die Not des Hundes

Die Krux beim Boxentraining ist tatsächlich die Zeit. Die wenigsten Hundehalter beginnen diese Art des Trainings mit ihrem Hund ohne dass eine Not dahinter steht. Meistens hat das Bedürfnis nach einer Box seinen Ursprung in einer unerwünschten, oft stressbedingten, Verhaltensweise, die der Hund an den Tag legt, z.B.

 

 

  • Unsicherheit/ Stress in fremder Umgebung, ggf. verbunden mit Knurren, Bellen, Schnappen
  • bei Welpen/ Junghunden das Unvermögen zur Ruhe zu kommen und aus dem daraus folgenden Überforderungsstress resultierende Übersprungshandlungen, wie Rammeln, Knapsen/ Schnappen, Dauergekläffe, Zerstören von Gegenständen
  • Zerstören von Gegenständen in der Nacht aus Stress/ Langeweile
  • Herumturnen und Zerstören des Autoinneren durch Stress beim Alleinbleiben

Es gibt sicher noch viele andere Gründe - auf keinen Fall sollte es das Wegsperren des Hundes, um Ruhe zu haben, sein.
Die Box darf auch nicht zu einer Dauerlösung werden. Sie ist meiner Meinung nach ein tolles Hilfsmittel um einen aufgedrehten Hund nach entsprechendem Training zur Ruhe anzuhalten.

Klappt es mit der offenen Box, kann diese als Rückzugsort immer zur Verfügung stehen. Genauso kann das Training aber auch auf eine Decke ausgeweitet werden, die auf Reisen sicher praktischer ist als eine Box.

Wie bringe ich meinem Hund einen entspannten und positiven Umgang mit der Box bei?

In 5 Schritten zum Entspannten Umgang mit der Box

Schritt 1

Kaufe eine Box und stelle sie offen an einen ruhigen Platz, in das Zimmer, wo Du Dich am Meisten aufhältst.
Die Box sollte so groß sein, dass der Hund bequem, ggf. auch ausgestreckt, darin liegen kann.

Boxen mit dieser Grundfläche sind in der Regel auch so hoch, dass der Hund aufstehen und sich drehen kann.

Sitzen sollte der Hund im Auto möglichst nicht, eine Box, die nur für die Wohnung bestimmt ist, darf jedoch auch gern entsprechend größer ausfallen.

Schritt 2

Füttere Deinen Hund von nun an immer in der Box.
Spielzeug & Kaukram  bekommt er nur dort.
Schleppt er seine Kausachen wieder nach draußen, nimm sie ihm ab und lege sie wieder zurück. Hört er nicht auf, sie wieder rauszuschleppen, nimm sie ihm für kurze Zeit ganz weg und beginne dann von vorn.

Schritt 3      (parallel zu Schritt 2)

Konditioniere einen Marker für "Hundebox", mit einem Wort Deiner Wahl.

Werfe Futter oder Leckerlies in die Box und schicke Deinen Hund mit dem Markerwort hinein bzw. sage das Markerwort, wenn der Hund dem Futter hinterherläuft.

Entferne Dich mit der Zeit immer weiter von der Box und wiederhole Schritt 3 bis Dein Hund beim Markerwort auch ohne geworfenes Leckerlie in die Box läuft.

Du solltest Deinen Hund auch immer dann belohnen, wenn er sich freiwillig in der Box aufhält. Steigere die Belohnungsintervalle von kurzer zu längerer Verweildauer.

 

WICHTIG:

Nimm erst ein Leckerlie zur Hand, wenn Du ihn belohnen willst und halte es ihm nicht schon vorher die ganze Zeit unter die Nase.

 

Vergiss nicht den Befehl für die Box wieder aufzulösen. Verlässt Dein Hund vorher die Box, bringe ihn wortlos zurück und setze das Zeitlimit für seine Verweildauer wieder auf einen Wert, den er vorher mühelos erreicht hat.

Schritt 4 (parallel zu Schritt 2)

Belohne Deinen Hund nachdem er in die Box gelaufen ist, wenn er dort auf ein Leckerlie wartet. Steigere auch hier langsam die  Wartezeit in der Box.
Lobe ihn auch, wenn er sich freiwillig hinlegt.

 

 

Schritt 5

Wenn Dein Hund entspannt in der Box liegen kann, schließe die Tür für kurze Zeit und steigere die Zeitspanne langsam.

Nach dem Öffnen der Tür, belohne Deinen Hund und löse den Boxbefehl auf, so dass er, wenn er möchte , die Box jederzeit verlassen kann.

 

WICHTIG: 

Ein gutes Timing ist gefragt!

Öffne die Tür wieder, bevor es Deinem Hund nicht mehr behagt und er laut wird. Solltest Du den Zeitpunkt verpassen, passe einen Moment ab, wo der Hund für kurze Zeit leise ist, öffne die Tür und lösen den Boxbefehl auf.

Achte darauf, beim nächsten Versuch die Tür deutlich kürzer zu schließen.

 

Schritt 5 ist vor allem wichtig, für Situationen, wie stationärer Aufenthalt beim Tierarzt oder Autofahren.

Die Akzeptanz einer geschlossenen Boxentür bedeutet nicht, dass der Hund zu Hause und anderswo Stunden allein in einer Box verbleiben kann und soll.

Und wie lange dauert das Training?

Wieviel Zeit Du und Dein Hund für das Boxentraining brauchen, hängt vor allem von Deinem Hund und von Deinem Training & Timing ab.


Viele kurze Einheiten sind besser als wenige lange und es ist immens wichtig immer mit einem Erfolgserlebnis für den Hund abzuschließen.


Dein Hund ist nicht wild auf Futterbelohnung?

Schade, dass wäre echt hilfreich gewesen …

Teste, auf welche Art von Belohnung er mehr steht: Kuscheleinheit oder Spielzeug.
Die Trainingsschritte sind auch gut für den Clicker geeignet.

Das Ding mit der Box ... mein Fazit

Das Ding mit der Box wird immer ein kontroverses Thema bleiben ... Jeder muss für sich und seinen Hund einen eigenen Weg finden und natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wofür er sich entscheidet.

Jedes Hund-Mensch-Team ist einzigartig mit einer eigenen Geschichte - die 5 Schritte sind ein Trainingsansatz der bei vielen Hunden funktioniert hat, der aber nicht bei jedem Hund funktionieren muss.

Dieser Artikel repräsentiert meinen Weg basierend auf meinen Erfahrungen, er erhebt nicht den Anspruch der Weisheit letzter Schluss und damit eine allgemeingültige Wahrheit zu sein.

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